Lohmens Geschichte
Die Geburtsurkunde Lohmens
Das Territorium der heutigen Gemeinde, das die Ortsteile Lohmen, Oldenstorf, Nienhagen, Garden, Altenhagen, Rothbeck, Gerdshagen und Lähnwitz (ca. 4160 ha) umfasst, ist seit mindestens 5000 Jahren menschliches Siedlungsgebiet.
Einige der sichtbaren Hinterlassenschaften wie Großsteingräber, bronzezeitliche Hügelgräber und Grenzsteine sind seit dem 9.9.2001 auf dem 20 km langen Archäologischen Lehrpfad dokumentiert. Er wurde in Zusammenarbeit der Gemeinden Lohmen und Klein Upahl angelegt. Mit dem Lenzener Steintanz erfasst er auch ein Bodendenkmal aus dem benachbarten Landkreis.
Die Siedlungen Lohmen, Garden und Lähnwitz haben aufgrund der zu vermutenden slawischen Herkunft ihrer Namen bereits vor der deutschen Kolonisierung bestanden. Die Dörfer Oldewinesthorp, Gerardershagen, Woluerameshagen und Nienhagen sind wie die Namen belegen im Zuge der deutschen Kolonisierung und Christianisierung etwa in den Jahren 1200 bis 1227 entstanden.
Im Zusammenhang mit der Christianisierung der wendischen Lande stifteten Heinrich Borwin I., seit 1179 Fürst zu Mecklenburg, zu Wenden und (seit 1200) Herr zu Rostock sowie seine mitregierenden Söhne, Heinrich Borwin II. zu Rostock und Nikolaus zu Mecklenburg und Wenden, um 1220 den Benediktinern, den schwarzen Mönchen, das Kloster Dobbertin.
1. Bei seiner Gründung wurde das Kloster u.a. mit Lomene dotiert.
2. Aber diese Urkunde, die vielleicht das älteste Schriftstück aus der mittleren Geschichte Lohmens hätte sein können, ist nicht überliefert.
Heinrich Borwin I. überlebte seine Söhne und starb am 28. Januar 1227. Sein Erbe fiel zu gleichen Teilen an seine Enkel Johann I., Nikolaus I., Heinrich Borwin III. und Pribislaw I., die Söhne Heinrich Borwin II.. Die neuen Fürsten bestätigten, erweiterten oder löschten bei Regierungsantritt schrittweise die von ihrem Großvater, von ihrem Vater Heinrich oder von Onkel Nikolaus verliehenen Rechte an Klöster und Städte.
In einer der von den Brüdern Johann I. und Nikolaus I. gesiegelten Urkunde vom Sonnabend, dem 28. August 1227 3, die den Besitz des Klosters Dobbertin, bestätigt 4, taucht auch das Dorf Lomene auf.
Mit dieser Urkunde also, die die mecklenburgischen Fürsten an jenem Spätsommertag vor 777 Jahren unterzeichneten, trat Lohmen aus dem Dunkel seiner über 3.000 Jahre alten Geschichte endlich auch ins Rampenlicht der geschriebenen Geschichte.
Lohmen in Mecklenburg
Während der folgenden Jahrhunderte bildete sich in Lohmen eine eng mit dem Kloster verbundene bäuerliche Wirtschaftsstruktur heraus. Dazu trug bei, dass das Dobbertiner Kloster trotz Reformation erhalten blieb und ab 1572 als Landeskloster der Stände zur Versorgung unverheirateter Töchter des Adels und der Bürgermeister diente.
Allerdings waren Seuchen und Kriege immer wieder Einschnitte, die die Weiterexistenz des Dorfes infrage stellten. Als die Pest Mitte des 14. Jahrhunderts Nordeuropa nahezu entvölkerte und viele Siedlungen Mecklenburgs wieder verschwanden, machte sie auch um Lohmen keinen Bogen. Nur ein Hof blieb besetzt.
Ebenso hatte die Region durch ihre Lage an den Heerstraßen des 30-jährigen Krieges zu leiden. In Lohmen überlebte 1648 offenbar nur Trine Roloff, die Frau des früheren Dorfschulzen, mit ihren zwei Söhnen.
Von den vormals 17 Bauernstellen des Dorfes, konnten bis 1690 erst sieben wieder besetzt werden, andere erst nach weiteren 30 bis 40 Jahren.
Im 19. Jahrhundert der Ort zählte etwa 200 Einwohner entwickelten sich in Lohmen die ersten ländlichen Handwerks- und Nahrungsmittelver-arbeitungsbetriebe, wie Fischerei, Ziegelei, Schmiede, Dorfkrug und Kolonialwarenhandel.
Forstwirtschaft, Bauhandwerk und Straßenbau gewannen immer mehr an Bedeutung. In Lohmen wohnten etliche der vom Klosteramt beschäftigten Arbeiter.
Im 20. Jahrhundert kamen eine Molkerei, später eine Schlachterei und zeitweilig eine Stellmacherei hinzu.
Lohmen in der DDR
Nach dem Zweiten Weltkrieg und die ihm nachfolgende politische und wirtschaftliche Entwicklung begann ein tiefgreifender Wandel der ländlichen Lebensverhältnisse. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich durch die Aussiedlung der Deutschen aus Osteuropa sehr rasch und stieg schließlich durch den Zuzug von Fachkräften aus Sachsen und Thüringen auf das Dreifache des Vorkriegsstandes. Durch die Bodenreform entstanden neben den örtlichen Landwirtschaftsbetrieben durch Neubauernstellen eine Anzahl kleiner landwirtschaftlicher Betriebe.
Zu den wirtschaftlichen Zielen der die DDR regierenden politischen Kräfte gehörte es, die privatwirtschaftlichen Eigentumsverhältnisse durch sozialistische zu ersetzen. In der Landwirtschaft bedeutete dies den Übergang vom privat wirtschaftenden Bauern zur Genossenschaft.
In Lohmen wurde die LPG Bernhard Quandt am 25.01.1953 durch sechs Bauern und Landarbeiter gegründet. Sie schloss sich 1954 mit der LPG Oldenstorf und den örtlichen Landwirtschaftsbetrieben zusammen. Bis 1958 waren alle Einzelbauern der LPG beigetreten oder hatten die DDR verlassen. Die nunmehr 1600 ha große LPG hielt Rinder und Schweine, baute neue Ställe und erweiterte den Tierbestand.
1969 wurde gemeinsam mit der LPG Gerdshagen eine kooperative Abteilung Pflanzenproduktion gebildet, 1972 kam die LPG Reimershagen hinzu.
Die so entstandene LPG Pflanzenproduktion Friedrich Engels mit Sitz in Gerdshagen bewirtschaftete 4.872 ha. Daneben blieb die LPG Lohmen mit der Spezialisierung auf Tierproduktion (Schweine und Schafe) bestehen.
Durch Zusammenlegung von Dörfern entstanden nun auch Gemeinden mit mehreren Ortsteilen.
Wohnungsneubau und Wohnungsmodernisierung mit Hilfe der den LPG zur Verfügung stehenden Technik hoben schrittweise die Lebensqualität. Rund 70 Eigenheime entstanden, mehr als 115 Wohnungen wurden modernisiert.
Die Neubauten erweiterten die Siedlungsfläche westlich der heutigen Chausseestraße, die 1884 als Verbindungsstraße zwischen der um 1850 entstandenen Landstraße von Goldberg nach Güstrow und Bützow gebaut worden war. Dadurch wurde der 1906 von Christian Roloff gebaute Hof, später Wertmann - Hof, dann Sitz der LPG (T), in die Dorfbebauung einbezogen.
Neu entstanden ebenfalls in diesem Gebiet Schule, Kindergarten (38 Plätze), Kinderkrippe (22 Plätze) Hortspielplatz, Sportplatz, Turnhalle sowie Einkaufszentrum.
Die Gemeinde wurde an die zentrale Trinkwasserversorgung angeschlossen. Eine Gemeindeschwesternstation sicherte die ärztliche Versorgung. Freizeitmöglichkeiten boten die Betriebssportgemeinschaft (BSG) Traktor, die Gesellschaft für Sport und Technik (GST), der Jugendklub sowie Dorf- und Betriebsfeste und andere Kulturveranstaltungen in den gemeindeeigenen Einrichtungen.
Mit der Errichtung des Zeltplatzes, 48 Ferienhäusern und zweier Kinderferienlager im Ortsteil Garden begann die Gemeinde in den 70er Jahren das dortige landschaftliche Erholungspotenzial zu erschließen.
Eine Gemeinde im Wandel
Mit der Wende 1989/90 und der Vereinigung der beiden deutschen Staaten brachen auch in Lohmen zunächst die wirtschaftlichen und sozialen Grundstrukturen des dörflichen Lebens zusammen. In weniger als zwei Jahren setzten Land- und Forstwirtschaft nach 1990 fast 80% der in ihren einzelnen Bereichen Beschäftigten frei. Heute sind in der Landwirtschaft nur noch 7 % der Erwerbstätigen beschäftigt.
In dem wiedergegründeten Land Mecklenburg-Vorpommern ist es bisher nicht gelungen, die Folgen des drastischen Rückgangs der Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft und den Zusammenbruch der Dienstleistungsstrukturen auf dem flachen Lande zu kompensieren.
Lohmen fällt als Gemeinde mit den ökonomischen und sozialen Kerndaten aus dem allgemeinen Trend des umliegenden Landkreises heraus: Lohmen hat in den 90er Jahren einen Bevölkerungszuwachs von 14%, eine Arbeitslosenquote von um maximal 4% und eine Jugendarbeitslosigkeit zumeist nicht mehr als 0,01%.
Drei Vorhaben erweisen sich heute als frühe Initialzündungen für die nachfolgende Entwicklung. Die Gemeindevertreter beschlossen 1990:
1. Den Bau einer biologischen Kläranlage.
2. Den Bau eines Alten- und Pflegeheimes.
3. Die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des damals gemeindeeigenen Campingplatzes.
Bürgermeister und Gemeindevertreter setzten außerdem alles in Bewegung, damit in neuen Schlüsselbereichen investiert werden konnte. Private Investoren fanden Unterstützung in der Gemeinde. Bis zum Jahre 2000 wurden ca. 150 Mill. DM an öffentlichen und privaten Geldern investiert, nicht gezählt die vielen Leistungen der Einwohner an ihren Privathäusern. Das führte zu einem Anstieg der Einwohnerzahlen. Allerdings führte das nicht dazu, dass die Schule erhalten werden konnte. Aufgrund der in Zehna vorhandenen jüngeren Bausubstanz fiel die Entscheidung zugunsten des Nachbarortes. Die Lohmener Schule wurde inzwischen einer neuen Bestimmung zugeführt: Feuerwehrgerätehaus mit Freizeiträumen sowie Sitz des SV 90 Lohmen. In der alten Sporthalle ist der neue Jugendklub entstanden.
Heute schaffen die Lohmener Betriebe auch Arbeit für die umliegende Region: Lohmener Unternehmen unterhalten Betriebe und Arbeitsplätze außerhalb von Lohmen und Arbeitnehmer aus anderen Gemeinden finden Arbeit in Lohmen.
Mit einer Beschäftigungsquote von knapp 63 % der Bevölkerung kann die Gemeinde Lohmen die eigene Bevölkerung gut mit Arbeit im Gemeindegebiet versorgen.
|
|